Ich öffnete mich meiner inneren Welt. So erkannte ich nach und nach meine durch Trauma abgespaltenen Persönlichkeitsanteile und begann, sie wieder mit mir zu verbinden. Mit der Verbundenheit kamen auch mein Mitgefühl, meine Weichheit und meine Verletzlichkeit zurück. Es wurde ruhiger in mir und gleichzeitig wurde ich lebendiger. Mir wurde klar, ich hatte Achtsamkeit mit Dissoziation verwechselt. Für den Zustand des Seins braucht es nicht nur die Aufmerksamkeit im Hier und Jetzt, sondern auch innere Verbundenheit.
Absichtslosigkeit entdeckte ich durch Kreativität und die Hospizarbeit. Die Kreativität hat eine eigene Geschichte, die du bei *Rügen kreativ* nachlesen kannst. Hier geht es um die Hospizarbeit.
Eigentlich hatte ich nicht vor, Sterbende zu begleiten. Was sollte ich da? Da gab es doch gar nichts mehr zu tun. Ich wollte Trauerbegleitung machen und Menschen helfen, zurück ins Leben zu finden.
Doch der Weg zur Trauerbegleitung führte über die Sterbebegleitung. Also tat ich es. Zu meiner Überraschung erlebte ich dort Momente der tiefsten Begegnung. Ich saß an Betten und sang sanfte Lieder. Und oft war ich einfach nur da und tat gar nichts. Weil es beim Sterben nun mal nichts zu tun gibt. Ich konnte mich dort hinsetzen und war sofort im Zustand des Seins – achtsam und verbunden. Das Gefühl der Unendlichkeit war wieder da und fast immer entstand etwas Magisches zwischen uns.
Als ich dann endlich Trauerbegleitungen machte, wollte ich den Menschen helfen. Ich arbeitete mich geradezu ab, aber die Verbindungen erreichten nicht ansatzweise diese Tiefe. Was ich sagte oder tat, war zwar objektiv nicht falsch, aber es war selten das, was der jeweilige Moment brauchte. Ich erkannte, der Unterschied lag in meiner inneren Haltung. In der Sterbebegleitung war ich absichtslos.
Achtsamkeit, Verbundenheit und Absichtslosigkeit (AVA) bilden zusammen den Zustand des Seins. In dieser inneren Haltung leben und handeln wir im Einklang mit dem großen Ganzen. Wir beginnen erst innerlich und dann auch äußerlich zu wachsen und aufzublühen.
Der Zustand des AVA ist so alt wie das Leben selbst. Menschen haben immer wieder neue Worte dafür gefunden. Sie haben versucht, ihn in Bildern, Gedichten oder Musik zu beschreiben. Am Ende kann jede Form nur Wegweiser zum Formlosen sein. Die Fülle des Seins offenbart sich erst im Erleben selbst. Deshalb ist der AVA-Campus kein Ort des Wissens, sondern der gelebten Erfahrung. Doch hat man ihn einmal gefunden, bedeutet er das Ende allen Leidens. Leben wird leicht.